re-Publik Performance wurde 2018 in Dresden gegründet und vereint Künstlerinnen und Kulturvermittlerinnen aus den Bereichen Tanz, Theater und Performance. Sie versteht Theater als Ort gesellschaftlicher Begegnung, kultureller Bildung und aktiver Teilhabe – als Raum, in dem Menschen unterschiedlicher Generationen, Herkünfte und Erfahrungen gemeinsam künstlerische Ausdrucksformen entwickeln.

Zur Initiative gehören Agata Schindler, Musikwissenschaftlerin und Dramaturgin, Olimpia Scardi, Choreografin und Tänzerin, sowie Olek Konrad Witt, Theaterregisseur, Schauspieler, Theaterpädagoge und künstlerischer Leiter.

Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit liegt auf partizipativen Projekten mit Jugendlichen. Sie werden als gleichberechtigte Mitgestaltende in die künstlerischen Prozesse einbezogen, entwickeln eigene Szenen, Choreografien und Videoprojekte und setzen sich mit Themen wie Identität, Erinnerung, Migration und gesellschaftlicher Verantwortung auseinander. Kunst wird dabei als Medium der Reflexion, des Dialogs und der Selbstwirksamkeit erfahrbar.

Oleg Konrad Witt bringt seine langjährige Erfahrung aus der Berliner Initiative „Theater der Migranten“ ein, in deren Rahmen zahlreiche Projekte mit jungen Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung entstanden. Gefördert unter anderem durch den Fonds Soziokultur und den Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung, wurden dort innovative Modelle kultureller Teilhabe entwickelt, die in der Arbeit von re-Publik Performance weitergeführt und kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Die Produktionen von re-Publik Performance verbinden künstlerische Qualität mit gesellschaftlicher Relevanz. Sie schaffen Räume für Begegnung, machen Geschichte und Gegenwart gemeinschaftlich und generationsübergreifend erfahrbar und fördern kulturelle Bildung, demokratische Teilhabe sowie einen respektvollen Dialog in einer vielfältigen Gesellschaft.

Der Tod ist ein Meister aus D




Theatrale Installation in der Gedenkstätte Münchner Platz Dresden

16. und 17.10.2020, 19 Uhr


In seiner berühmten Todesfuge schreibt Paul Celan: „Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland/ er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in Luft“. Für die deutschen Nazi-Meister waren die schönen Künste vereinbar mit der Effizienz ihres mörderischen Handwerks. Umso dringlicher fragt Celan nach den Möglichkeiten der dichterischen Sprachkunst. Ist sie eine adäquate Form der Erinnerung, abseits von Zahlen und Daten? Kann sie das Unbegreifliche nahbarer machen?
Innerhalb der Räume der ehemaligen Haft- und Hinrichtungsanstalt Münchner Platz Dresden nähern wir uns gemeinsam mit Ihnen diesen Fragen. In sechs Stationen begegnen Sie kurzen Performances, die sich der Sprache des bedeutendsten deutschsprachigen Dichters des 20. Jahrhunderts, der vor 100 Jahren in Czernowitz geboren wurde, annähern. Ziel ist dabei nicht die Entschlüsselung, sondern eine einfühlsame Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und der Gegenwart.
Neben Celan kommt auch die in Auschwitz ermordete Ilse Weber (1903-1944) mit ihren Märchen, Gedichten und Liedern zu Wort. Während Ilse Weber mit ihren Texten Trost und Hoffnung vor allem den Kindern in Theresienstadt und Auschwitz spenden wollte, ist Celans Dichtkunst als ein Versuch zu verstehen die deutsche Sprache zu „heilen“. Heilen von den Parolen, Deformierungen und der Propaganda der Nazi-Ideologen und den ihnen skrupellos dienenden kalten Justiz-Henkern, Verwaltungs-Bürokraten und Wirtschafts-Unternehmern. In einer Performanceszene werden Verwaltungsvorschiften persönlichen Briefen gegenüber gestellt.
Das Schaf aus Lidice, das in einer Erzählung Jiří Weils (1900-1959) in Theresienstadt von der SS geschlachtet wird, und dessen Schicksal wir aufgreifen – wo weidet es heute? Seine Artgenossen grasten 1957 in Frieden vor der Ruine der Dresdner Frauenkirche. Während das Zerstörte inzwischen auch in Dresden wiedererrichtet und rekonstruiert ist, laufen wir Gefahr, dass Spuren des Unheils verdeckt, verdrängt und vergessen werden und ein neuer Boden für altes Unheil entsteht. Der Missbrauch der deutschen Sprache in der Zeit von 1933 bis 1945 wird von den heutigen Nationalisten und Populisten aufgegriffen.

Die theatrale Installation beinhaltet sechs siebenminütige Performances und eine Eröffnungs- und eine Abschlussperformance. Die Zuschauer*innen wandern in kleinen Gruppen und in unterschiedlicher Reihenfolge durch die Räume und Plätze des ehemaligen Justizkomplexes am Münchner Platz in Dresden und erleben Szenen, die sich mit Erinnerungskultur auseinandersetzen. Dabei kommen dokumentarische, biografische, musikalische, tänzerische und poetische Formen des Theaters zum Ausdruck.
Die Installation wird begleitet von der Cellisti n Friederike Seeßelberg, den Mitgliedern des GewandhausKinderchores Leipzig  und des Kinderchores Mosaika aus Bischofswerda


Performerinnen: Clara Baumert · Valeria Bobke · Lilith Diringer · Charlotte Liebezeit · Marie Müller · Laura Pietsch · Pauline Sägling · Olimpia Scardi · Rita Schaller · Véronique Weber-Karpinski
Cello: Friederike Seeßelberg
Chor: Mitglieder des GewandhausKinderchores Leipzig unter der Leitung von Frank-Steffen Elster, Klavier: Walter Zoller
Kinderchor: „Mosaika“ e.V. unter der Leitung von Katja Kulakova
Konzept und Regie: Olek Konrad Witt
Choreografie: Olimpia Scardi
Regie- und Choreografieassistenz: Francesca Mommo
Dramaturgie: Philipp Bode
Kostüme und Ausstattung: Cilly Zimmermann
Sounddesign: Karolin Killig
Produktionsassistenz: Mareike Suck
Technik: Sebastian König · Nils Krüger



WAS IST DAS HERZ UNSERER WELT?

Musik-Theater-Performance über Erinnerungskultur basierend auf den Tagebüchern von Helga Pollak-Kinsky, die als 12-jähriges Mädchen mit ihrem Vater nach Theresienstadt deportiert wurde, und den Notizen ihres Vaters. Helgas Rolle übernimmt die 14-jährige Dresdner Schülerin Elisabeth, die Helga im August 2019 in Wien getroffen hat.

Die Performance zeigt die Kraft der kreativen Resilienz. Nach Theresienstadt wurden viele KünstlerInnen, PädagogInnen und VisionärInnen deportiert. Sie alle hatten sich entschlossen, auch unter den menschenunwürdigen Bedingungen als Menschen zu leben und sich nicht der Hoffnungslosigkeit und der Angst auszuliefern. Musik, Theater und Tanz spielten eine wesentliche Rolle im Streben der Mädchen aus dem Zimmer 28, eine kreative Gegenwelt zu der bedrohlichen Realität zu schaffen.

Konzept/Regie: Olek Konrad Witt
Performance: Elisabeth Golde
Gesang: Marta Vávrová und Kinderchor der Jüdischen Gemeinde zu Dresden, Maria Thomaschke
Choreographie: Olimpia Scardi
Kostüm: Evelyn Schücke
Videokunst: Nina Hoffmann
Videodesign: Benjamin Schindler
Regie-, Dramaturgie- und Produktionsassistenz, Filmaufnahmen:
Andrea Oberheiden-Brent
Die Aufführungen am 31.10., 02.11. und 06.11.2019 finden im Rahmen der Tschechisch-Deutschen Kulturtage statt.

Gefördert von:
Landeshauptstadt Dresden, Kulturstiftung des Landes Sachsen und des Fonds Soziokultur.
Mit der Unterstützung der Gedenkstätte Münchner Platz Dresden

Reservierung unter: tdkt.info